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Beiträge: 576

Wohnort: Bielefeld

Beruf: Rentier

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Dienstag, 18. Januar 2011, 13:33

Fakten und Gedanken zur Tiervermittlung Teil 1 (Beitrag wurde aufgeteilt - in Teil 2 geht es weiter !)

Wir sind ein Tierschutzverein. Klar, werden Sie denken, wissen wir. Lassen Sie uns diesen Begriff einmal mit Inhalt füllen und sehen, welche Auswirkungen sich daraus auf die
Tiervermittlung ergeben.
Für die Vermittlung eines Tieres nehmen wir uns immer viel Zeit. In ausführlichen Beratungsgesprächen wird versucht, für Sie das passende Tier zu finden. Wir möchten allerdings nicht nur Sie, sondern immer die ganze Familie kennen lernen, schließlich müssen ja alle den zukünftigen Mitbewohner mögen und mit ihm auskommen. Besonders bei Kindern kann man ganz gut sehen, wie sie sich gegenüber einem Tier verhalten oder die Tiere auf Kinder reagieren.
Wird ein Tier an Sie vermittelt, so wird ein Vertrag abgeschlossen. Darin verpflichten Sie sich, Ihren neuen Hausgenossen artgerecht zu halten, d.h. zum Beispiel, einen Hund nicht an der Kette (das wäre nicht nur vertrags-, sondern sogar gesetzeswidrig), Vögel und Nager nicht nur in einem Käfig, Meerschweinchen, Kaninchen und Vögel grundsätzlich nicht einzeln zu halten. Dazu kommen besondere Konditionen, die sich an den Bedürfnissen der jeweiligen Tierart oder sogar des einzelnen Tieres orientieren.
Einer der wichtigsten Vertragspunkte ist, dass Sie sich verpflichten, sollten Sie eines Tages das Tier nicht mehr behalten können oder wollen, dieses an uns zurückzugeben. Es darf nicht an Dritte weitergegeben werden. Sollten Sie selbst bereits einen geeigneten Platz wissen, teilen Sie uns das mit, dann ist lediglich noch unsere Zustimmung erforderlich.

Bitte im Teil 2 weiter lesen.

Weiter lesen in Teil 2 (Beitrag mußte hinsichtlich der Größe aufgeteilt werden - auch das Forum hat seine Grenzen).
Dass uns dieser Punkt so wichtig ist, beruht auf unserer Erfahrung. So manches Tier, welches wir gut vermittelt glauben, landet lange nach der Vermittlung auf abenteuerliche und wundersame Weise wieder bei uns und der ehemalige Besitzer wundert sich, wenn dann der Tierschutzverein bei ihm an die Tür klopft. Dieser Ärger ist sicher ganz leicht vermeidbar.

Üblicherweise erfolgt vor und/oder nach der Vermittlung eine Kontrolle, die wir Inspektion nennen. Die Inspektion beinhaltet nicht nur die Kontrolle selbst, sie ist auch als Service zu verstehen, als Nachbetreuung. Sie haben hier die Möglichkeit, noch ausstehende Fragen zu stellen oder aufkommende Probleme zu besprechen und Lösungen zu finden. Manchmal entwickeln sich Tiere in ihrem neuen zu Hause anders, als sie sich im Tierheim gezeigt haben.
Die meisten neuen Tierbesitzer sind über diese zeitaufwendige und rein ehrenamtliche Tätigkeit unserer Inspektoren sehr froh und nehmen jede Hilfe dankbar an. Manchmal kommen sogar Nachfragen, wann denn endlich mal jemand vorbei kommt.
Oft bleiben Kontakte bestehen oder wir bekommen auch nach längerer Zeit noch Nachrichten und Fotos von unseren ehemaligen Schützlingen. Das freut uns immer besonders.

Bei allen, die diese Inspektionen überflüssig finden, möchten wir um Ihr Verständnis bitten.
Auch wenn wir uns im Vorfeld noch so viel Mühe geben, wir können jedem Menschen nur vor den Kopf schauen. Es ist nur schwer vorstellbar und kaum zu glauben, was unsere engagierten Inspektoren bei ihrer Arbeit schon erlebt haben. Da werden Hunde entgegen aller Absprachen und Beteuerungen den ganzen Tag allein im Badezimmer ein- oder auf dem Balkon ausgesperrt. Da sitzen Kleintiere bis zum Bauch im Dreck, die Perserkatze ist so verfilzt, dass nur noch eine Radikal – Schur hilft oder ein Tier ist einfach gar nicht mehr da.
Aus einer angeblich 90 qm – Wohnung mit Garten ist plötzlich ein winziges Appartement im Dachgeschoss geworden, unzertrennliche Tierpärchen wurden getrennt oder ein angeblich schon vorhandenes Tier, zu dem das „neue“ ziehen sollte, ist gar nicht existent, usw.

Ich sehe Sie verständnislos und ungläubig den Kopf schütteln. Ja, so geht es uns auch.

Der Abschluss eines Vertrages setzt immer ein gewisses Vertrauen voraus, dass jeder sich an die Vertragsbedingungen hält. Es heißt nicht ohne Grund Vertragspartner.
Mit Personen, die uns belogen haben, werden wir natürlich keine Verträge mehr abschließen. Sicher hat jeder Verständnis dafür, dass wir mit unseren Vertragspartnern gern konform gehen wollen. Das alles dient letztlich dem Schutz und Wohlergehen unserer Tiere.
Zum Glück erleben wir diese oft auch persönlichen Enttäuschungen nicht allzu oft. Wie wunderbar ist es, wenn wir erfahren, wie gut es ein Tier in seinem neuen zu Hause angetroffen hat, wie tierliebe Menschen mit Herz und Verstand den Tieren ein artgerechtes
Leben ermöglichen und Verantwortung bis zuletzt übernehmen.

Auf welchen Wegen und warum auch immer die Tiere bei uns landen, in dem Moment, in dem sie sich in unserer Obhut befinden, sind wir verantwortlich. Verantwortlich für ihr Wohlergehen, ihren Schutz, ihre Versorgung und zumindest für die ersten Schritte in eine bessere Zukunft oder bei älteren Tieren in einen schönen Lebensabend.
Aus diesem Grund führen wir mit Ihnen als Interessent, der ein Tier bei sich aufnehmen möchte, im Vorfeld schon ausführliche Beratungsgespräche. Jedes Tier hat unterschiedliche Bedürfnisse, eines ist lebhaft, will Aktion, will lernen, ein anderes liebt eher das Sofa und die Gemütlichkeit, ein Tier liebt und braucht einen Artgenossen, ein anderes kann gut und gern darauf verzichten, ein Tier neigt zur Dominanz, ein anderes ist eher unterwürfig oder ängstlich. Manche haben bereits schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht, andere sind noch voll Urvertrauen.
So unterschiedlich die Tiere sind, so unterschiedlich sind auch Sie als vielleicht zukünftiger Tierbesitzer. Auch Sie bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit. Einige von Ihnen sind ganztägig berufstätig, andere haben viel Zeit, manche haben Freude an Sport und Bewegung, andere nicht. Einige wohnen ländlich, andere in der Stadt. Sie merken, die Liste ließe sich noch sehr viel weiter fortsetzen.
Wir versuchen nun, alle Kriterien zu berücksichtigen. Das bedeutet, dass wir Sie vieles fragen. Die meisten von Ihnen sind angenehm überrascht, wie viel Mühe wir uns geben herauszufinden, welches Tier zu welchem Menschen, in welche Familie, in welche Umgebung passt. Nur so lässt sich die größtmögliche Chance herausarbeiten, dass Tier und Mensch wirklich zusammen passen und es keine Enttäuschungen gibt - und keine unglücklichen Tiere.
Sie dürfen nicht vergessen: Sie haben immer die Möglichkeit, die Tiere zurückzubringen. Für die meisten Tiere aber bedeutet das eine Katastrophe. Es verstärkt Verlassensängste oder löst diese aus, bedeutet Stress und häufig ein daraus resultierendes Zusammenbrechen des Immunsystems.
Wir werden nicht alles vermeiden können, aber wir werden immer das Beste versuchen.

Aus langjähriger Erfahrung haben wir so genannte Vermittlungsstandards als Rahmen-bedingungen erarbeitet. So gilt beispielsweise bei Katzen, dass Freigänger nur in eine Umgebung vermittelt werden, wo sie eine Chance haben zu überleben. Ein gern kontrovers diskutierter Punkt. Aber wie viele Katzen tagtäglich überfahren werden, dürfte bekannt sein.
An manchen Straßen ist es fast schon vorprogrammiert, häufig auch reine Glückssache, ein Lotteriespiel. Besonders junge und unerfahrene Katzen kennen in ihrem Freiheits- und Bewegungsdrang, in ihrer Neugier und Abenteuerlust keine Grenzen, haben vor nichts Angst und werden so öfter Opfer von Unfällen. Bei einer verunfallten Katze mit einem Beckenbruch oder ähnlich schweren Verletzungen muss mit erheblichen Tierarztkosten gerechnet werden. So ist der Katzenbesitzer schon mal schnell 600 bis 800 Euro los oder – wen wundert`s – die Katze wieder bei uns.
Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit. Albert Schweitzer

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »Helmut Albert« (20. Januar 2011, 21:47)