Dienstag, 23. Januar 2018, 07:55 UTC

Sie sind nicht angemeldet.

  • Anmelden
  • Registrieren

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Forum des Bielefelder Tierheims. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Beiträge: 574

Wohnort: Bielefeld

Beruf: Rentier

1

Dienstag, 18. Januar 2011, 13:31

Fakten und Gedanken zur Tiervermittlung Teil 2

Schwerer verletzte Katzen verstecken sich zum Sterben und die belastende Ungewissheit ist das, was den Besitzern bleibt. Die Vermisstmeldungen, die bei uns eingehen, füllen Ordner. Jeden Monat. Jedes Jahr.
Nehmen sie es uns daher nicht übel, wenn wir uns die Gegend, in der sie Ihre Katze ins Freie schicken wollen, genau unter die Lupe nehmen. Wir fühlen uns eben verantwortlich.

Viele haben aufgrund ihrer Wohnsituation Katzen in reiner Wohnungshaltung, diese Lösung ist durchaus akzeptabel, setzt allerdings so einige Überlegungen voraus. Viele Stubentiger, die einzeln gehalten werden, sind chronisch unterfordert und dämmern einsam und gelangweilt 10 Stunden und mehr am Tag vor sich hin. Der einzige Lichtblick ist der Mensch, der irgendwann nach Hause kommt, füttert und vielleicht etwas Zeit zum Spielen hat. Doch wie viel Zeit mag das sein auf 24 Stunden gerechnet, auf eine Woche, ein Jahr, 15 Jahre?

In so ein armseliges Leben möchten wir unsere Tiere nicht entlassen und empfehlen daher bei reiner Wohnungshaltung einen Spielkameraden. So enthält man den Katzen zwar einiges vor, sie haben aber wenigstens einen „Zimmergenossen“. Das schützt vor so mancher Protestaktion, aber auch vor Verhaltensstörungen. Aus Erfahrung wissen wir, dass viele, die sich entgegen unserem Rat irgendwo eine einzelne Katze geholt haben, wiederkommen, um eine zweite dazu zu holen. Oder leider, um dieses arme, inzwischen unverträglich gewordene oder sogar verhaltensgestörte Tier bei uns wieder loszuwerden. Bei einigen dieser Fälle hat es über ein Jahr gedauert, bis sich die Tiere langsam entspannten und sich wieder „normal“ verhielten.
Den meisten Tierfreunden würde es aber Leid tun, wenn sie ihren einsamen Stubentiger allein in der Wohnung zurück lassen würden. Zum Glück hat es sich unter Katzenfreunden und Katzenkennern schon lange herum gesprochen, wie schön es ist, mehrere Tiere zu haben und wie wichtig es ist, wenn man tagsüber außer Haus ist. Was für Menschen gilt, gilt auch für die meisten Tiere: Niemand ist gern ständig allein.

Aus all diesem Wissen heraus kommt es vor, dass wir von der Anschaffung eines Tieres auch durchaus abraten. Sicher nicht, weil wir unsere Tiere behalten wollen, sondern weil wir
– wie hat es eine Tierschützerin vor einiger Zeit so treffend ausgedrückt? – keine „vom Menschen vermurksten Lebenssituationen“ schaffen wollen. Davon gibt es ja leider schon so genug.
Auch bei der Vermittlung von Hunden ist eine Absage manchmal notwendig.
Stellen Sie sich z.B. eine kleine Dachgeschosswohnung vor, zu der eine steile Wendeltreppe hinauf führt – und die Familie hat sich in ein „Riesenkalb“ verliebt. Nun, denken Sie ein bisschen in die Zukunft. Ist in der Familie ein Bodybuilder, der den vielleicht 50 kg schweren Hund später einmal die Treppe hinauf trägt, wenn dieser im Alter keine Treppe mehr steigen kann? Oder wenn er sich einmal verletzt hat und nicht laufen oder auftreten kann? Das ist nur ein Beispiel, an dem man aber gut sehen kann, dass nicht nur das Herz sprechen darf, sondern auch Verstand und Weitsicht dabei sein müssen.
Nehmen Sie daher unsere Beratung ernst, um sich derartige Erfahrungen zu ersparen.

Sehr schlimm sind oft die Kleintiere und Vögel dran. Diese wirklich einigermaßen artgerecht zu halten, erfordert schon so einigen Aufwand, der häufig in keinem Verhältnis zu dem lächerlichen Preis steht, für den diese Lebewesen zu haben sind. Oft fristen diese armen Geschöpfe, einsam in einem kleinen Käfig in der Ecke stehend, ein erbärmliches Leben und trauern sich über Jahre zu Tode. Schauen Sie sich einmal wirklich artgerecht gehaltene Tiere an, wie entspannt sie sind und welche Zufriedenheit sie ausstrahlen. Das überträgt sich auch auf die Besitzer, macht schon beim Zuschauen glücklich. Ansonsten hat man nämlich, oft unbewusst, eher ein schlechtes Gewissen, als Freude an die Tieren…..und gibt sie wieder ab.
Sehr oft ist es nicht mangelnde Tierliebe, sondern schlicht Unwissenheit, die zu so etwas führt. Daher legen wir so viel Wert auf Beratung und Information. Je mehr Sie sich informieren, je mehr Sie wissen, desto mehr Freude werden sie haben.

Manchmal stellt sich in einem Gespräch auch heraus, dass man sich die Tierhaltung zu einfach vorgestellt hat. Viele merken vielleicht, dass sie den erforderlichen Aufwand doch eigentlich gar nicht betreiben möchten, nicht genug Platz, nicht genug Zeit haben, oder die Kosten, die im Laufe eines Tierlebens einkalkuliert werden müssen, doch zu hoch sind.
Die meisten Leute sind uns in der Regel dankbar, dass sie bereits im Vorfeld auf all diese Punkte hingewiesen werden, die sie selbst vielleicht noch gar nicht wirklich durchdacht hatten. Viele überlegen sich noch einmal in Ruhe, ob sie wirklich die Verantwortung für ein ganzes Tierleben übernehmen können und wollen.
Das erfordert viel Ehrlichkeit mit sich selbst.

Einige Interessenten sind jedoch auch enttäuscht oder sogar verärgert, wenn ihre Vorstellungen nicht mit unseren übereinstimmen. Auch hier können wir nur um Verständnis bitten. Wir sind – ja, genau! – ein Tierschutzverein! Ohne Beratung, ohne Standards, ohne die Möglichkeit, auch einmal nein sagen zu können und zu müssen, würden wir diese Bezeichnung nicht verdienen. Oft genug werden wir für diese Sorgfalt sogar gelobt und wir können nur appellieren, den langjährigen Erfahrungen unserer Mitarbeiter zu vertrauen. Auch unsere jungen Mitarbeiter haben schon reichlich Erfahrungen sammeln können.
Im Tierschutz, wenn man ihn ernsthaft betreibt, lernt man schnell.

Natürlich wird es immer wieder mal zu Missverständnissen kommen. Anonymen Hinweisen und „Hintenherum – Gerede“ werden wir angemessen begegnen: nämlich gar nicht.
Einer sachlichen und offenen Kritik werden wir uns jederzeit stellen. Wir bitten um ein faires Miteinander und darum, nicht gleich aufgrund einer Enttäuschung den gesamten Tierschutz zu unterlaufen oder das Tierheim ganz zu verurteilen. Unsere oberste Priorität ist das Wohl der Tiere. Und das sollte bei einem Tierschutzverein doch wohl auch so sein. Sich mit Tierschutz zu beschäftigen, ob haupt- oder ehrenamtlich, ist oft sehr schwer und belastend, aber es ist eine ehrenvolle Aufgabe. Nehmen Sie daher eine Absage nicht persönlich. Fragen sie nach, informieren Sie sich und erhalten Sie uns Ihr Wohlwollen.

Tierliebe, die den Namen verdient, wird immer fragen: kann ich einem Tier ein schönes Leben bieten, mit allem, was es braucht, um sich wirklich wohl zu fühlen? Bin ich über die Bedürfnisse und Anforderungen meiner Schützlinge genügend informiert? Kann ich die Verantwortung mit allen Konsequenzen wirklich übernehmen?
Sie werden die Antwort finden.

Tiere sollten keine Konsumgüter und keine Spielsachen sein, die man nach Belieben anschafft, um sie bei der geringsten Schwierigkeit (z.B. Krankheit) wieder abzuschieben oder gar auszusetzen. Man sollte keinen Verrat an einem Lebewesen begehen, welches einem bedingungslos vertraut.
Schließen möchte ich mit einem in diesem Zusammenhang durchaus passenden Zitat von Antoine de Saint-Exupéry: „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast“.
Mit allen guten Wünschen für Sie, ihre Lieblinge und die uns anvertrauten Tiere, die wir irgendwann Ihnen anvertrauen.

IB
Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit. Albert Schweitzer

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Helmut Albert« (20. Januar 2011, 20:49)