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nickie

Schüler

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Wohnort: Detmold

1

Donnerstag, 24. Januar 2008, 09:08

Neuer GammelfleischskandalSchwere Vorwürfe gegen einen Wurstfabrikant

Neuer GammelfleischskandalSchwere Vorwürfe gegen einen Wurstfabrikant

Verdorbens Schweinefleisch

Guten Abend zu REPORT MAINZ. Wir beginnen mit einer Schweinerei. Und das ist dieses mal ganz wörtlich gemeint. Es geht, und jetzt wird es unappetitlich, um verschimmelte Schweineköpfe.

Genauer um die Möglichkeit, dass Sie und ich, die wir gerne mal ein Stück Wurst verspeisen, solche Schweineköpfe gegessen haben, ohne es zu wissen. Monika Anthes, Adrian Peter und Oliver Heinsch mit einem weiteren Kapitel der nicht enden wollenden Geschichte über Gammelfleisch. Eine Geschichte, die mit einer Razzia beginnt.

Bericht:

Gestern Abend. Razzia bei der Brägeler Fleischzerlegung BFZ im niedersächsischen Lohne. Die Ermittler gehen einem ekelerregenden Verdacht nach. Vergammelte Schweineköpfe sollen hier massenhaft zu Wurst verarbeitet worden sein.

Ehemalige Arbeiter aus der Wurstfabrik

Ausgangspunkt für die Ermittlungen: die Aussagen dieser Männer. Wir treffen sie am Dienstag vergangener Woche in ihrer Unterkunft. Gemeinsam haben die Rumänen bei BFZ gearbeitet. Sechs Tage pro Woche, Schweine zerlegen im Akkord. Sie erzählen uns, dass sie statt frischer Schweinehälften regelmäßig vergammelte Sauenköpfe verarbeiten mussten.

O-Ton:
»Sie stanken ganz schlimm. Man konnte nicht daneben stehen und arbeiten. Ich habe mich auch übergeben.«

Sie zeigen uns ein Foto. Es soll aus der Fabrik stammen.

O-Ton:
»Das war alles schwarz hier. Alles kaputt, alles Scheiße.«

Diesen Eindruck bestätigt auch der Vorsitzende des Bundesverbandes beamteter Tierärzte, dem REPORT MAINZ das Foto vorgelegt hat. Der Schädel ist vergammelt.

O-Ton:
»Ich weiß nicht, wie sie das verkaufen können. Einfach verdorben, das Fleisch ist klebrig.«

O-Ton:
»Als ich die Haut abgelöst habe, war alles voller Eiter, in dem Kopf. Im Kopf, grün, grün.«

O-Ton:
»Es war verdorben. Das Fleisch war verdorben. Da war Eiter drin und Würmer.«

Frage: Wirklich Würmer?

O-Ton:
»Ja, Würmer, es waren Würmer drin. Die Kollegen haben das auch alle gesehen.«

Schwere Vorwürfe, die laut BFZ jeder Grundlage entbehren. Der Betrieb habe ein Qualitätssicherungssystem, das die Verarbeitung verdorbener Waren ausschließe, teilt uns der Anwalt des Unternehmens schriftlich mit. Doch es gibt weitere Hinweise. Dieses Handyvideo wurde nach eigenen Angaben eines Arbeiters heimlich in der Produktionshalle von BFZ gefilmt.

Tatsächlich zeigt auch hier das Fleisch schwarz-grüne Stellen.

O-Ton:
»Machen vier Tonnen brutto in einer Woche, ja. In vier Tonnen brutto ist 1.300 Kilo vom selben Fleisch.«

Frage: Von diesem Gammelfleisch? 1.300 Kilo Gammelfleisch von verrottenden Köpfen?

O-Ton:
»Ja, pro Woche. Pro Woche. Von diesem Fleisch, Leute essen.«

Nach seiner Aussage schneiden die Rumänen also aus vier Tonnen Schweineköpfen mit Knochen und Haut 1.300 Kilo Fleisch für die Wurstproduktion. Woche für Woche, seit März 2007.

O-Ton:
»Also das schlechte Fleisch wird eingefroren, dann gibt es eine Maschine, die es in Scheiben schneidet, und dann wird das Schlechte mit dem Guten vermischt. Dann wird es verpackt und weggeschickt.«

Doch wie glaubhaft sind die Aussagen der Männer? Vergangenen Donnerstag wurden sie im Auftrag der Staatsanwaltschaft richterlich vernommen.

O-Ton, Frauke Wilken, Staatsanwaltschaft Oldenburg:

Frauke Wilken

»Die Zeugenaussagen müssen wir ernst nehmen. Sie begründen einen Anfangsverdacht einer Straftat gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch. Wir haben daraufhin unmittelbar ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und die notwendigen Maßnahmen getroffen.«

Zudem sind die Verantwortlichen der Firma den Ermittlern seit langem bekannt. Die Firma BFZ ist ein Nachfolgeunternehmen der ehemaligen Firma Hartke Fleisch- und Wurstwaren. Und die war in einen der größten deutschen Gammelfleischskandale verwickelt.

Rückblick 2005: Fleischhändler Uwe D., bekannt als Gammelfleischbaron, bringt 315 Tonnen Schlachtabfall in den Handel. Sein bester Kunde damals, die Firma Hartke Fleisch- und Wurstwaren, heute BFZ. Sie kaufte 130 Tonnen so genanntes Stichfleisch.

Das ist das Fleisch, dass um die Einstichstelle beim Schlachten liegt. Es gilt als Schlachtabfall und darf bestenfalls zu Katzenfutter verarbeitet werden. Doch die Hartkes mischten die Schlachtabfälle einfach als reguläres Schweinefleisch unter ihre Wurstprodukte.

REPORT MAINZ hatte den Skandal aufgedeckt. Die Verantwortlichen, Josef Hartke junior und sein Vater, erhielten Geldstrafen.

Jetzt ist Josef Hartke juniors Bruder Ludger im Visier der Ermittler. Mehrere Stunden durchsuchten die Beamten die Produktionshallen und Büros der Firma. Gammelfleisch fanden sie an diesem Abend keins.

O-Ton, Frauke Wilken, Staatsanwaltschaft Oldenburg:

»Damit machen wir nicht die Akte zu, wir stehen vielmehr am Anfang der Ermittlung. Es werden weitere Ermittlungsschritte folgen. Insbesondere werden wir Fleisch, was in einem anderen Kühlhaus gelagert ist, beproben. Und dann wird man sehen wie es weitergeht.«

Abmoderation Fritz Frey:

Unglaublich