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Lupus

Anfänger

Beiträge: 9

Wohnort: OWL - Bielefeld

Beruf: Hundetrainerin, Schwerpunkt Verhalten

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Freitag, 14. Dezember 2007, 20:02

ein Notfall

Nele’s Weihnachtswunsch

Tja ihr Lieben, pünktlich, kurz vor Weihnachten mal wieder eine Notfall-Meldung.
Der eine oder andere weiss ja, dass ich auch als Hundeverhaltenstrainerin arbeite und vor 2 Tagen erreichte mich ein Hilferuf einer ehemaligen Klientin.

Es geht um Nele, sie ist eine 8-jährige, kastrierte und gechipte Münsterländer-Mix-Hündin.

Nele wurde vor 8 Jahren im Alter von 10 Wochen von ihren jetztigen Besitzern von einem Mehrrassenzüchter gekauft. Das Ehepaar hatte gerade Nachwuchs bekommen und sich entschlossen, das Kind soll zusammen mit einem Hund großwerden. So weit so gut.

Nach 4 Jahren ist das Frauchen wieder stundenweise (1/2 Tage) in ihren alten Beruf eingestiegen, da stellte sich heraus, dass Nele nicht alleine bleiben kann bzw. wollte.
Sie fing an Türen anzuknabbern, speichelte stark etc.. So entschlossen sich die Besitzer, sich in ihrem Bekanntenkreis erstmal umzuhören, wer Nele zu sich nehmen könnte.

Es fand sich ein Ehepaar, die hatten schon eine Hündin, der Mann war Rentner, den ganzen Tag zu Hause und hatte Zeit, die Frau war den ganzen Tag beruftstätig. So kam Nele mit 4 Jahren in ihre neue Familie. Nach einiger Zeit trennte sich das Ehepaar von der ersten Hündin, da sie sich nicht mit Nele mehr verstand bzw. sie war sehr dominant und futterneidisch, deshalb musste sie gehen. Nele durfte bleiben.

Nach 3 weiteren Jahren trennten sich dann auch die 2. Besitzer von Nele, denn sie ließen sich scheiden. Der Mann wollte als Rentner Nele nicht behalten, die Frau konnte sie nicht behalten, das sie ja den ganzen Tag berufstätig ist und keine Zeit für den Hund hat,. Also wurde Nele halsüberkopf wieder bei ihren 1. Besitzern vor die Tür gestellt, das alte Frauchen von Nele erwartete gerade ihr zweites Kind.

Seit Januar 2007 ist Nele nun wieder bei ihren 1. Besitzern. Das erste Frauchen hatte sich an mich gewandt, weil Nele immer noch nicht alleine bleiben konnte mit o.g. Verhaltensweisen.

Nele blieb aber alleine, nachdem sie mehr Raum zur Verfügung gestellt bekam. So ganz alleine im winzigen Flur, das was nix für Nele, als man ihr die Tür zum Wohnzimmer geöffnet hatte, blieb sie auch alleine ohne etwas kaputt zu machen. Dennoch hatte Nele ein Problem, wie ich schnell herausgefunden habe.

Da Nele sehr wenig Kontakt zu Artgenossen hat und hatte, hat sie große Probleme im Sozialverhalten mit anderen Hunden. Manche mag sie, da macht sie nix, bei anderen ist sie so unsicher, dass sie an der Leine eine ausgeprägte Leinenaggression zeigt, die aber nur aus reiner Unsicherheit resultiert. Wenn man ihr Gehorsam abverlangt (Kommandos wie sitz, platz, bleib, komm usw. befolgt sie) und ihr das Gefühl gibt, es passiert absolut nix, wenn du dich ruhig verhälst, klappen diese Hundebegegungen sehr gut, sie bleibt dann auch ruhig.

Die Krux ist nur, dass Nele ein Münsterländer-Mix ist, also sie hat etliche Merkmale des Jagdgebrauchshundes in ihrem Blut, sie hat Jagdtrieb, ist aber nicht schussfest (Sylvester braucht sie Medikamente zur Beruhigung) sie macht gerne Suchspiele, Fährtenarbeit macht ihr auch großen Spass, Futterbeutel apportieren macht sie leidenschaftlich und das bedeutet, mit Nele muss intensiv gearbeitet werden, damit sie auch ausgelastet ist und das kann ihr jetztiges 1. Frauchen auf Grund des sehr engen Zeitfensters einfach nicht mehr stemmen, zumal sie ja in einigen Monaten auch wieder arbeiten gehen muss.

Nele ist jetzt so unterfordert, dass sie wieder Türen annagt, sie leckt sich die Pfoten wund. Kurz um sie leidet sehr, denn sie hat einfach Langeweile und dann noch stundenweise alleine bleiben, wieder ein Besitzerwechsel, das ist einfach zuviel für den Hund.

Um der Tierheimeinweisung aus dem Weg zu gehen, suche ich für diese arme Socke von Hund nun ein neues Zuhause, wo sie die letzten Jahre ihres Lebens glücklich verbringen darf.

Nele ist Katzen gewöhnt und verträglich, sollte aber nur an hundeerfahrende Besitzer abgegeben werden, denn sie ist ein Hund, der gefordert werden muss, entsprechend ihres Alters versteht sich, also kein Agilty sondern Suchspiele, Fährtenarbeit usw., mit Kindern versteht sie sich gut, ich empfehle aber nur Kinder ab 10-12 Jahren, denn kleinere Kinder stressen so einen alten Hund doch sehr.

Ich kann mir auch Nele gut als Zweithund zu einem souveränen Rüden vorstellen, denn wenn ein Artgenosse ihr durch sein Verhalten zeigt, dass es absolut keinen Grund gibt Angst zu haben, nur weil z. B. der Wind um Haus pfeifft, hilft es Nele. Man muss vorher aber gut überprüfen, ob so eine Zusammenführung klappen kann oder es besser ist Nele als Einzelhund zu halten.

Nele ist ein liebe Hündin verlangt aber von ihren neuen, zukünftigen Besitzern viel Hundeerfahrung, viel Verständis, noch mehr Liebe zum Tier und viel Zeit.

Das ist Nele’s Weihnachtswunsch „Ein neues Zuhause“, wo sie artgerecht gefördert und gefordert wird, bei Menschen die sie lieben, denen sie ihre Liebe geben kann und wo sie in aller Ruhe ihren Lebensabend verbringen kann.

Um Diskussionen vorweg zu nehmen, es fällt den Besitzern nicht leicht sich von Nele zu trennen. Es gibt sicher Menschen die es trotz engen Zeitfensters schaffen, sich auch noch um einen arbeitsintensiven Hund zu kümmern. Nur es schaffen eben nicht alle und Nele’s Besitzer bzw. Besitzerin kann es einfach nicht schaffen, da diese Situation so ist wie sie ist.

Jeder der Kinder großzieht bzw. großgezogen hat, der nebenher auch noch arbeiten muss, einen Haushalt und einen riesengroßen Garten zu bewirtschaften hat, der teilweise ohne Auto mitten in der Pampa wohnt, der weiss, wie eng so ein Zeitfenster sein kann und da müssen eben auch Prioritäten gesetzt werden.

Wer helfen kann und will bitte kurze PN an mich.

Ich wünsche euch allen ein frohes, besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Lupus