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Hawkeye

Anfänger

Beiträge: 2

Wohnort: Bielefeld

1

Montag, 10. September 2007, 19:16

Lachendes und weinendes Auge

Hallo,
ich wollte hier mal ein paar Zeilen schreiben um vielleicht besser mit dem Verluste klarzukommen.
Es geht hier um die Geschichte meiner kleinen Katze, weil...
Vor 14 Jahren zog ich mit meiner damaligen Freundin zusammen. Sie wollte unbedingt eine Katze, ich war völlig dagegen. Also ab ins Tierheim Bielefeld und viele Katzen angesehen. Voller Glück über viele kleine Katzen sprang meine damalige Freunin durch das Tierheim, überzeut war ich noch nicht.
Plötzlich sah ich eine Katze, ganz hinten in "Einzelhaft". Ein niedliches Gesicht, auf dem Rücken eine Zeichnung, die erinnerte mich an ain Pinguin.
"Die oder keine" sagte ich zu meiner damaligen. Ich liess mich nicht davon abbringen.
Sie war mich die lebendigste, nicht die schönste Katze, aber ihr Blick war es. Ängstlich war sie, zurückhaltend und leicht verstört.
Nach einer längeren Unterhaltung war es dann entschieden, die oder keine. Sie war es.
Überzeugt war ich weiterhin nicht, Kazten mochte ich gerne, solange sie nicht bei mir zuhause leben.
Nach kurzer Zeit haben meine Freundin und ich uns getrennt, die Katze blieb bei mir. So reicht wollte ich sie nicht, brachte es aber auch nicht übers Herz sie zurück ins Tierheim zu bringen.
Jahre vergingen und die ängstliche Katze taute immer mehr auf. Ich wurde ihre totale Bezugsperson. Es hat alles sehr lange gedauert, aber wir wurden ein Team.
Keiner kam mehr zwischen uns. Kamen Bekannte, lag sie auf der Lauer und beobachtete alles, hatte ich eine Freundin, dann legte sie sich zwischen uns. Sie wurde immer mutiger, selbst Fremden ggenüber wurde die zutraulich. Frauen waren ab da nur noch geduldet, nicht aber anerkannt oder gar Fütterer, das war weiterhin nur ich.
Sie hat auch viel mitgemacht, Sturz auf dem 4. Stock, Blasen OP, andere Kleinigkeiten.
Ein Freigänger war es nie. Die ersten Jahre lebte sie in meiner Wohnung und rannte bei gutem Wetter aus dem Dachfenster aufs Dach, Dachkatze.
In der nächsten Wohnung hatte ich eine Terasse, ab da war es eine Dachterassenkatze.
Dann kam das Highlight, ein Garten. Grashüpfer, Schmetterlinge, andere kleine springende oder fliegende Tiere jagen, das war ein Spass.
Vor 2 Wochen musste ich dann mit ihr zum Arzt, sie pinkelte sehr oft und lange, aber ohne das dabei viel kam. Kein Problem dachte ich, Blasensteine, wie schon vor Jahren. Medis, evtl. eine OP, gut ist es wieder. Dem war leider nicht so.
Ultraschall, Entnahme von Gewebe der Blase, dann stand es fest, ein Tumor an der Blase der langsam den Harnleiter abschnürrt.
Es war ein Schock für mich, 14 Jahre mit der Kazte und dann das.
Sie war mir inzwischen so ans Herz gewachsen, das hätte ich nie vorher gedacht.
Genau 2 Wochen später hatte ich in der Firma ein total ungutes Gefühl.
Ich fuhr früher nachhause und machte die Tür auf. Keine sonst so übliche Begrüssung, keine Erzählung was alles so während meiner Abwesenheit passiert ist, nur eine Katze vor mir. Unsicherer, schmerzhafter Gang, ein Gesichtsausdruck, sowas kannte ich vorher nicht.
Heulend rief ich den Tierarzt an, ich wollte unbedingt vor der Sprechstunde vorbei kommen. Ich wusste, es sollte der schwerste Weg mit meiner Katze werden.
Beim Tierarzt angekommen musste ich noch ein paar Minuten draussen warten, er war noch nicht da.
Nach einer kurzen Untersuchung war es klar. Mir liefen die Tränen durchs Gesicht. Ich Mann, ich nix heulen, egal, ich heulte.
Sie bekam eine Spritze und schlief ein. Ich steichelte sie dabei die ganze Zeit. Danach die letzte Spritze.
Heulen verließ ich das Haus durch einen Hintereingang.
Im Garten habe ich ein Loch gegraben, ihr letztes Heim.
Als meine Frau von der Arbeit kam haben wir sie begraben, eingewickelt in einem T-Shirt von mir ein einem Karton. Das T-Shirt habe ich extra noch angezogen, so das es wenigsten etwas nach mir richt. Das hatte sie immer am liebsten, T-Shirts die ich gerade getragen hatte, reinspringen, drin schlafen, wohl fühlen. So sollte es auch da sein.
Meine Frau hat noch etwas auf den Karton geschrieben: Gute Reise.

Das ist jetzt genau eine Woche her und sie fehlt mir wie am ersten Tag.
Ihr geht es jetzt aber gut, sie hat keine Schmerzen mehr.

Wenn ich so zurück denke, dann hat sie alles gehabt was sie wollte, vor allem was sie brauchte. Der kleinen ging es immer gut.
Was vor dem Tierheim passiert ist, wieso sie so ängstlich uns verstört war, keine Ahnung, das werde ich auch nie heraus bekommen. Sie hat jedenfalls ein gutes Leben bei mir gehabt.

Eins steht auch fest, ich werde sie nie vergessen!!!

Beiträge: 523

Wohnort: na, hier!

Beruf: Altenpflegerin

2

Montag, 10. September 2007, 19:54

Abschied nehmen ist nie leicht.

Du hattest deine Jahre mit deiner Katze. Und so, wie du schreibst, waren es schöne Jahre.
Trotzdem hast du ein Mitglied deiner Familie verloren. Das tut mir mir sehr leid für dich. :cry:
"Das einmal das Wort Tierschutz erfunden werden musste, ist eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung"
- Theodor Heuss -

Hawkeye

Anfänger

Beiträge: 2

Wohnort: Bielefeld

3

Dienstag, 11. September 2007, 16:12

Danke für dir Anteilnahme.
Das mir ein Tier mal so ans Herz wächst, das hätte ich nie vorher gedacht.
Die leisen Tapser morgens, wenn der Wecker klingelt, das leise Mau (Hallo und ich hätte gerne Frühstück). Die wartenden Blicke von der Treppe aus durchs Küchenfenster und die anschliessende Begrüssung wenn ich von der Arbeit kam. Sie hat sich gerne vor einen gesetzt und minutenlang erzählt, aufgestanden, ein paar Schritt gemacht, hingesetzt und weiter erzählt... All diese Dinge fehlen mir total.
Hätte sie mal was kaputt gemacht, irgendetwas zerfetzt oder so, nichts davon.
Selbst wenn ich sie mal geärgert habe, die Quittung waren immer leichte Hiebe mit der Tatze, die Krallen nur zur Warnung minimal ausgefahren. Weh tat es nie, Blut oder Kratzer, nichts davon.
Blieb sie aber beim spielen mal mir ihren Krallen in der Haut stecken, dann machte sie nie weiter. Ohne ein Ton zu sagen war das Spiel gestoppt, sie setzte sich hin und guckte unschuldig, mauzte dabei leise. Es kam mir dann immer vor wie ein "Sorry, das wollte ich nicht".

Das man sich von soeinem Tier schlecht trennen kann, das ist wohl klar.

Viele sagen ich solle mir so schnell wie möglich einen neue Katze zulegen. Mein Frau hätte auch nichts dagegen. Aber wie ist das, gerade weg, dann eine neue Katze. Austausch. Ist das Auto kaputt, neues her. Ist die Jeans durch, ab in den Laden.
Mal sehen was passiert, aber gleich eine andere Katze...

Sorry wenn ich jemanden mit meinem Geschreibsel nerve. Muss ja keiner lesen, tut nur gut.

salatherz

Anfänger

Beiträge: 31

Wohnort: NRW

Beruf: Studentin

4

Donnerstag, 13. September 2007, 13:43

Mir kamen auch schon die Tränen in die Augen beim lesen!!! :cry:
Tut mir echt so leid! Als Katzenmensch kann ich Deinen Verlust gut nachempfinden (habe leider auch schon welche hinter mir).
Ich würde mir trotzdem wieder eine Katze (bzw. besser zwei) anschaffen - natürlich nicht als Ersatz. Dein Verlust ist furchtbar und keine Katze kann sie ersetzen, aber Du kannst weiteren Tierheimkatzen ein schönes zu Hause bieten - sie werden es Dir sicher danken! Vielleicht wartest Du noch eine Weile bis der erste Schock vorbei ist!
Ganz liebe Grüße!
Salatherz
"Auch das kleinste Katzentier ist ein Meisterwerk."
Leonardo da Vinci