... ein Vogelkind allein und scheinbar verlassen - wer möchte da nicht helfend eingreifen, um es zu schützen?
Doch nicht immer ist unsere Hilfe das richtige. Oftmals wird durch uns der Tod dieses kleinen Geschöpfes erst hervorgerufen.

Vogeleltern müssen sehr fleißig sein, um ihre Brut großzuziehen. Sie fliegen und sammeln Insekten oft bis zur eigenen Erschöpfung. Die gerade aus dem Nest gehüpften Jungvögel halten sich, da sie noch nicht flugfähig sind, auf dem Boden auf und warten dort, dass die Altvögel sie mit Nahrung versorgen. Ja, und dabei entdecken wir sie.
Sie sind nicht hilflos, sondern einfach nur noch nicht so weit, dass sie fliegend den nächsten Ast erreichen können.
Wenn wir uns und ihnen die Zeit gönnen, sie zu beobachten, werden wir sehen, wie sie von den Eltern versorgt werden. Erst wenn wir nach Stunden merken, dass der Jungvogel immer noch unversorgt ist, können wir eingreifen. Wir können dann versuchen, ihn zu füttern, müssen aber wissen, dass es ein mühseliges, aber auch glücklich machendes Unternehmen ist, das wir dann auf uns nehmen. Vögel wachsen schnell und lernen auch relativ schnell, selbst die angebotene Nahrung zu picken.

Aber je nach Größe des Pfleglings: Drei Wochen sollten für seine Aufzucht einkalkuliert werden.
Viele Menschen haben sich angewöhnt, immer nach jemandem Ausschau zu halten, der ihre gute Tat fortsetzt, und da liegt dann das Problem. Auch wir vom Tierschutz-Verein bzw. Tierheim sind nur begrenzt in der Lage, uns darum zu kümmern. Denn ein Jungvogel muss alle zwei Stunden gefüttert werden.
Unsere Experten nehmen die Kleinen schon mit zur Arbeit, um die Fütterungszeiten einzuhalten, aber jeder kann sich denken, dass dies oft schwierig ist. Wir geben gerne Tips, übernehmen auch die erwachsenen Vogelkinder in eine Voliere zum Auswildern. Aber jeder, der ein wirklich verlassenes Vogelkind findet, sollte es möglichst selbst versuchen.

Jetzt noch der Futtertip:
Auf keinen Fall gehackte Regenwürmer verfüttern ...
... sondern Rindergehacktes (man kann es gut in kleinen Kugeln einfrieren) frisch mit etwas Kükenaufzuchtsfutter oder Futter für Weichfresser (Zoohandlung), das in warmem Wasser aufgequollen ist, mischen. Eventuell etwas Quark oder Eigeld (gekocht) dazu. Auf ein Stäbchen schaufeln und vorsichtig dem Vögelchen anbieten. So oft, bis er nicht mehr möchte. Nach zwei Stunden die gleiche Prozedur noch einmal.
Man kann die Futtertagesmenge natürlich auf einmal herstellen und kühlstellen, so dass man nicht jedes Mal anrühren muß. Aber die Fütterungszeiten auf jeden Fall einhalten, das heißt, ihr Untermieter wird sie lautstark darauf aufmerksam machen, dass der Magen gefüllt werden muss.