1952 hatte eine kleine Gruppe von Tierfreunden die Idee, einen Tierschutz-Verein in Bielefeld zu gründen.

Nachdem man sich ein paar Mal getroffen und eine Satzung erstellt hatte, wurde eine Kleinanzeige zur Gründung eines Tierschutz-Vereins aufgegeben, aufgrund derer sich 50 Damen und Herren als Mitglieder anmeldeten, so dass am 24. April 1952 der Tierschutz-Verein Bielefeld und Umgebung als eingetragener Verein gemeldet werden konnte.

Nun begann aber erst die eigentliche Arbeit und schon nach wenigen Tagen musste man feststellen, dass man sich ein ganz schönes Päckchen aufgeladen hatte. Laufend kamen Meldungen über schlechte Tierhaltung, Tierquälerei usw.

Die größte Schwierigkeit bestand darin, die Findlinge irgendwo unterzubringen, so dass man sich schließlich entschloss, ein Tierheim aufzubauen.

An der Detmolder Straße fand sich ein entsprechendes Gelände, wo sich zunächst mit 8-10 großen Boxen und einem entsprechenden Auslauf begnügt wurde. Selbstverständlich wurden auch Verbindungen zu allen Tierärzten und Tierhandlungen aufgenommen, um auch verunglückte Katzen und Hunde zu versorgen.

Nebenbei musste bei jeder Gelegenheit versucht werden neue Mitglieder und Freunde zu gewinnen. Es wurden alle einigermaßen interessanten Vorfälle der Presse gemeldet und man lud die Öffentlichkeit zu Vorträgen ein; u. a. gelang es, den ehemaligen Zoo-Direktor Dr. Grzimek zu einem Vortrag nach Bielefeld zu holen.

Nach etwa einem Jahr war die gröbste Aufbauarbeit abgeschlossen, aber im Laufe der Zeit stieß man immer wieder an die Grenzen der eigenen Möglichkeiten - sowohl in räumlicher, als auch in finanzieller Hinsicht.

Das Tierheim, welches eigentlich nicht mehr als eine Auffangstation darstellte, wurde später an den Haller Weg verlegt. Aber auch hier war es nicht mehr als ein Provisorium mit geringer Aufnahmekapazität und wurde bald wieder geschlossen.

Nun richtet das Bielefelder Ordnungsamt im Veterinäramt für alle herrenlos aufgefundenen Tiere eine „Auffangstelle” ein.

Hier waren sämtliche Hunde in insgesamt 8 Boxen untergebracht. Es gab keinen Auslauf und der Ausblick bestand auf nichts anderes als auf starre Holzwände. Für die Katzen standen zwei große Vogelkäfige zur Verfügung, deren Platz man zum Entsetzen der Tierschützer unmittelbar bei den Hunden gewählt hatte.

Alle 14 Tage setzte die Stadtverwaltung eine Versteigerung an und der Tierschutz-Verein musste immer hilflos ansehen wie Händler vor allem Hunde für wenig Geld ersteigerten und manchmal gegenüber den Tierschützern frech zugaben, dass die Tiere nun zur nächsten Tierversuchsanstalt gebracht werden, wohl wissend, dass sie völlig legal handelten.

Mit den Katzen ging es etwas besser. Die Mitglieder holten sich, wann immer es ging, ein armes Katzentier aus dem Veterinäramt. Konnte dieses dann vermittelt werden, kam gleich das nächste, so dass einige Mitglieder ständig einen Findling Zuhause untergebracht hatten.

Als im Herbst 1975 die Katzenflut zunahm und die Privatquartiere nicht mehr ausreichten, sprang das Tierarztehepaar Dr. Krych ein und eröffnete in seinem Privathaus einen „Katzenkeller”. Die Tiere versuchte man dann mit kostenpflichtigen Anzeigen in den Tageszeitungen zu vermitteln.

1976 wurde schließlich der berühmt-berüchtigte 30-Jahres-Vertrag mit der Stadt Bielefeld abgeschlossen.

Der Tierschutz-Verein erhielt für den Bau eines Tierheims eine einmalige Zahlung von 250.000 DM und musste sich verpflichten, 30 Jahre lang alle Fundtiere kostenlos aufzunehmen.

Für etwas mehr als 8.000 DM pro Jahr hatte sich die Stadt Bielefeld damit freigekauft. Unter dem Gesichtpunkt, dass 1977 die Führung des Tierheims über 50.000 DM kostete und 1990 auf fast 500.000 DM !!! pro Jahr anstieg, müssen wir uns selbst Asche auf´s Haupt schütten, dass wir diesen Pakt eingegangen sind.

Nebenbei sei gesagt, dass das Grundstück, auf dem jetzt das Tierheim steht, nur gepachtet werden durfte und wir dafür jedes Jahr einen erheblich Betrag an die Stadt zahlen müssen.

Aber wir hatten nun endlich eine stabile Unterkunft für die Tiere und brauchten uns um die räumlichen Kapazitäten vorläufig keine Sorgen mehr machen.

Dass es allerdings an finanziellen Mitteln noch haperte, merkten wir besonders drei Jahre später. Bei der Ausstattung des Tierheims mussten Kompromisse eingegangen werden; so konnte z. B. statt einer richtigen Heizung nur ein Heizgebläse für die Tiere installiert werden. 1979 gab dieses seinen Geist auf und auch die Dächer mussten neu isoliert werden. Gerade zu diesem Zeitpunkt erhielten wir durch ein Testament eines Mitglieds die Möglichkeit, die notwendigen Reparaturen und Neuinstallationen durchzuführen.

Trotzdem stiegen die Kosten weiter. Es wurde keineswegs leichtfertig das Geld ausgegeben, aber die zunehmende Anzahl der aufgenommen Tiere zwang uns 1982 das Katzenhaus auszubauen.

Ein Jahr später stellte man fest, dass die Kläranlage nicht den baupolizeilichen Vorschriften und den Bauplänen entsprach und wurde daher neu angelegt. Dies riss natürlich ein bedenklich großes Loch in unsere Geldreserven.

Die nächsten zwei Jahre begnügten wir uns daher mit kleineren (Fort-)schritten, so dass wir uns 1985 die notwendige Renovierung der Hunde-Trakte leisten konnten.

1987 kam die - buchstäblich - eiskalte Ernüchterung. Am Rosenmontag, dem 02. März legte der schlimmste Eisregen, den Bielefeld je erlebt hatte, das Tierheim lahm. Zu Boden gebogene oder entwurzelte Bäume, Stromausfall und damit weder Heizung noch fließendes Wasser - und das für fünf endlose Tage. Heizbrenner und Wäschetrockner versagten den Dienst für immer. Nur dank spontaner Spenden konnten die notwendigen Reparaturen und Anschaffungen rasch durchgeführt werden.

In den nächsten zwei Jahren musste man zwar wieder etwas kürzer treten, dennoch wurde zur Entlastung der zunehmenden Verwaltungsarbeit der dringend notwendige Computer angeschafft und die mittlerweile verrosteten Gitter der Hundezwinger ersetzt.

Dann traf uns 1990 die nächste Wetterkatastrophe. Diesmal hatte der Sturm weite Teile des Daches abgedeckt, welches nun einer sehr kostenintensiven Reparatur bedurfte.

Mittlerweile hatte sich übrigens auch noch die Anzahl der aufgenommen Tiere drastisch erhöht; u. a. durchliefen nun 733 Katzen das Tierheim - fast eine Verdoppelung gegenüber der 374 Katzen in 1981.

Nachdem 1994 ein Erbbauvertrag abgeschlossen wurde, der das Tierheimgelände um 6.000 qm erweitert, konnte mit dem Bau eines Wohnhauses begonnen werden. Diese enorme Investition war notwendig geworden, da bis dahin der Nachtdienst nur ein Zimmer mit Liege zur Verfügung hatte. So konnte diese Arbeit nun unter menschlichen Bedingungen verrichtet werden. Wir erhalten zwar jetzt mit dieser Dienstwohnung Mieteinnahmen, letztendlich war der Bau aber nur dadurch möglich, dass ein Großteil der erforderlichen Summe durch Spenden (insbesondere durch Überlassung eines Bausparvertrages) abgedeckt wurde.

Bis zur Fertigstellung 1996 konnten wir uns noch einen neuen Hühnerstall „gönnen”, aber danach waren wir am Ende der finanziellen Belastbarkeit. Schließlich musste die Deckung der laufenden Kosten gewährleistet sein und eine Reserve für die mittlerweile immer häufiger auftretenen Renovierungen vorhanden bleiben.

Es ist erstaunlich, dass unser Tierheim trotz aller Schwierigkeiten so gut läuft. Wir haben dies den vielen hilfsbereiten Menschen in und um Bielefeld zu verdanken, die als Spender, Paten oder Mitarbeiter ihr Bestes für die gute Sache tun.

Nur so war es möglich, nun überhaupt eine Geschichte über unser Tierheim zu schreiben.

»Mit einem kurzen Schweifwedeln kann ein Hund mehr Gefühl ausdrücken, als mancher Mensch mit stundenlangem Gerede.«

Louis Armstrong